Üben ist mehr als Wiederholen

Es ist Zuhören, Fühlen, Wachsen. Manchmal ist es still, manchmal wild. Und manchmal bedeutet es, einfach dazusitzen, den eigenen Atem zu spüren und zu warten, bis der richtige Moment kommt.

Macht dir Üben Spaß?

Viele sagen: „Üben macht keinen Spaß.“ Ich sehe das anders. Wenn ich mir Raum und Zeit gebe, tauche ich ab – und finde mich in purer Spielfreude wieder. Die Welt wird leiser, der Fokus klarer. Das braucht ein paar Minuten, bis der Kopf zur Ruhe kommt – aber dann: juchuu!

Meine intensivste Übephase erlebte ich 2008 in Burkina Faso, bei meinem wichtigsten Trommelmentor Adama Dramé. An manchen Tagen übte ich bis zu acht Stunden. Für viele unvorstellbar – für mich eine Reise nach innen: Freude und Frust, Frieden und Kampf, Schmerz und Freiheit. Willkommen in der Polarität.

Trommeln als Freundschaft

Trommeln können beste Freunde sein. Jede Djembe hat für mich eine eigene Seele, eine Geschichte, eine Stimme. Wenn ich spiele, höre ich zu: meinem Instrument, meinem Körper, meiner Stimmung. Die Trommel antwortet ehrlich – sie lädt mich ein, präsent zu sein und mich aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Trommeln ist für mich aktive Meditation. Über Atmung und Annehmen finde ich immer wieder in Balance, Flow, Einheit – und in meine Kraft.

Das Gespräch mit der Trommel

Üben heißt zuhören. Jeder Schlag erzählt etwas – über Timing, Spannung, Lockerheit. Ich lerne, nicht gegen den Widerstand zu kämpfen, sondern ihn als Lehrmeister zu begrüßen. An guten Tagen groovt alles von selbst. An anderen Tagen lade ich Geduld ein – und übe langsamer, bewusster, liebevoller.

Das Zen des Übens – meine Tipps

  • Raum & Zeit schaffen: Plane dir kleine Inseln fürs Üben ein – ohne Ablenkung, mit offenem Anfang.
  • Kurz & oft: Fünf Minuten täglich bringen mehr als einmal wöchentlich eine Stunde. Wiederholung baut neue Verbindungen im Gehirn auf.
  • Leise Lösungen: In der Stadtwohnung dämpfe die Djembe mit Kissen/Handtuch. Im Sommer gern nach draußen – frische Luft, freier Kopf.
  • Warm-ups: Hände, Finger, Schultern und Rücken lockern. Erlaubt ist, was gut tut – Schütteln, Dehnen, Kreisen.
  • Intuition folgen: Wenn dir etwas in den Sinn kommt – probier’s aus. Deine Intuition ist die beste Lehrmeisterin.
  • Instrument begrüßen: Nimm kurz bewussten Kontakt auf – berühren, streicheln, Atmen. „Aloha, da sind wir. Jetzt geht’s los.“
  • Guter Übeplatz: Angenehmer Sitz, Teppich für warme Füße. Gern vorher kurz die Fußsohlen massieren – erdet und fokussiert.
  • Langsam ist schnell: Spiele Passagen extra langsam und gleichmäßig. Stabiler Puls statt Hast.
  • Pausen zulassen: Mini-Pausen resetten Nervensystem und Ohren. Danach klingt alles klarer.
  • Dranbleiben, freundlich bleiben: Sei konsequent – und sanft zu dir. Fortschritt ist wellenförmig.

Im Rhythmus des Lebens

Was auf der Trommel geschieht, spiegelt das Leben. Manchmal groovt es, manchmal stolpert es. Beides gehört dazu. Je mehr ich loslasse, desto klarer wird der Klang. Üben ist kein Ziel, sondern ein Weg – ein ständiges Zurückkehren ins Jetzt.

💚 Das Zen des Übens ist für mich eine Einladung, mit offenen Ohren, offenem Herzen und einer Portion Humor zu spielen – und zu erkennen, dass jeder Schlag ein neuer Anfang ist.