Wenn Trommeln anstrengend wird

Manchmal fällt es mir im Unterricht sofort auf:
Jemand spielt eigentlich gut, hat Rhythmusgefühl, hört aufmerksam zu und trotzdem wirkt alles irgendwie anstrengend. Die Schultern ziehen hoch, die Hände werden fest, der Klang verliert mit der Zeit seine Offenheit.

Und oft passiert das ganz unbewusst.

Gerade beim Trommeln achten viele zuerst auf die Hände. Verständlich. Dort entsteht schließlich der Ton. Aber eigentlich spielt immer der ganze Körper mit. Haltung, Atmung, Spannung, Beweglichkeit – all das beeinflusst, wie wir spielen und wie sich das Spielen anfühlt.

Was mir dabei immer wieder auffällt: Viele Menschen haben kaum Kontakt zum Boden. Die Füße stehen zwar da, aber oft sind die Zehen regelrecht „gekrallt“, die Beine angespannt oder der Körper hält sich irgendwie selbst fest.

Sobald jemand beginnt, die Füße wirklich entspannt auf dem Boden wahrzunehmen, verändert sich oft erstaunlich viel. Der Atem wird ruhiger, Bewegungen werden natürlicher und manchmal verändert sich sogar direkt der Klang.

Ich kenne das auch von mir selbst. Wenn der Körper müde oder verspannt ist, verändert sich oft sofort etwas im Groove. Bewegungen werden kleiner, härter oder weniger fließend. Und manchmal merkt man erst hinterher, wie viel Kraft man eigentlich die ganze Zeit eingesetzt hat.

Deshalb finde ich es spannend, auch andere Körperansätze kennenzulernen.

Vor einiger Zeit hatte ich einen Austausch mit einem Rolfing-Therapeuten. Dabei ging es unter anderem darum, wie sich Spannungsmuster im Körper entwickeln und wie stark sie unsere Bewegungen beeinflussen können – oft ohne dass wir es merken.

Das hat mich sofort an das Trommeln erinnert.

Denn viele Bewegungen beim Spielen wiederholen sich ständig. Wenn dabei unnötige Spannung entsteht, schleichen sich mit der Zeit Muster ein. Manche merken das in den Handgelenken, andere in den Unterarmen, im Nacken oder im Rücken.

Ich glaube, dass Leichtigkeit beim Trommeln nicht nur mit Technik zu tun hat. Oft geht es eher darum, wieder mehr Bewegungsfreiheit zu finden und den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen.

Interessant finde ich dabei auch den Gedanken, dass ein voller Klang selten aus Druck entsteht. Meistens entsteht er eher dann, wenn Bewegung natürlich fließen kann.

Vielleicht lohnt es sich deshalb manchmal, nicht nur das Rhythmuspattern zu üben, sondern auch sich selbst ein wenig genauer zuzuhören:

  • Wie sitze ich eigentlich?
  • Wo halte ich Spannung?
  • Wie stehen meine Füße auf dem Boden?
  • Was passiert, wenn ich weniger Kraft benutze?

Manchmal verändert genau das schon erstaunlich viel.

Mich interessiert dieses Zusammenspiel von Rhythmus, Körper und Wahrnehmung schon lange. Vielleicht gerade deshalb, weil Trommeln für mich nie nur Technik war.

Wer mehr über Rolfing erfahren möchte:
Tobias Elliott-Walterzur Webseite